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Kann ich mein E-Auto mit einer Solaranlage laden?

Wie gross muss eine Solaranlage sein, um ein E-Auto aufzuladen? Braucht es eine grosse PV-Anlage auf dem Dach oder reicht eine Stecker-Solaranlage? Beispiele zeigen, ob die Rechnung für dich aufgeht.

Auto fährt aus Garage mit Solaranlage auf dem Dach

Um ein E-Auto mit eigenem Solarstrom zu laden, brauchst du eine PV-Anlage (Photovoltaik), eine E-Auto-Ladestation und eine Steuerung, welche beides koordiniert. Wer in der Nacht laden muss, benötigt zusätzlich eine Hausbatterie, um den Strom zwischenzuspeichern. Aber fangen wir doch erst einmal mit einer Minimallösung an.

E-Auto mit einer Stecker-Solaranlage laden?

Eine Leserin hat uns gefragt, ob sie mit einer Plug-and-Play-Solaranlage ihren Renault Zoe aufladen könnte. Dazu haben wir eine kurze und eine längere Antwort.

Kurz: Ein E-Auto mit einer Stecker-Solaranlage aufzuladen ist im Prinzip nicht möglich. Der Grund: Die Stecker-Solaranlage liefert maximal 600 Watt, gängige E-Auto-Ladestationen laden aber mit mindestens 2000 Watt, so dass immer der Grossteil der Energie aus dem Netz bezogen würde.

Länger: Unsere eigene 600-Watt-Stecker-Solaranlage hat im Juni 2022 fast 94 kWh Strom produziert. Das würde theoretisch genügen, um eine E-Auto-Batterie zwei Mal aufzuladen und je nach Auto und Strecke zwischen 350 und 500 Kilometer zu fahren. Wenn man sich für den produzierten Strom also quasi eine Gutschrift ausstellt, kann man damit kürzere Pendlerdistanzen zumindest im Sommer abdecken.

Solarstrom vom Elektrizitätswerk

Ganz ähnlich läuft es, wenn du bei deinem Stromversorger Solarstrom kaufst: Irgendwo produziert eine PV-Anlage irgendwann Strom und jemand in der Nähe dieser Anlage braucht den Strom dann auch gleichzeitig. Da du aber dafür bezahlst und nicht diese andere Person, wird er dir rechnerisch gutgeschrieben, selbst wenn du dein Auto jeweils über die Nacht aufladen musst.

So gross muss deine Solaranlage sein, um dein E-Auto zu laden

Nur eine eigene Photovoltaikanlage bietet dafür Gewähr, dass auch physikalisch Solarstrom in die Autobatterie fliesst. Denn Strom nimmt stets den Weg mit dem geringsten Widerstand – und da ist näher meist besser. Ein Lademanagement-System sorgt dafür, dass das Auto immer nur mit so viel Strom geladen wird, wie von der PV-Anlage gerade verfügbar ist.

Um abzuschätzen, wie gross deine Solaranlage mindestens sein sollte, kannst du dich am Merkblatt des Verbands Swiss eMobility orientieren, das dafür eine Tabelle anbietet. Wir können daraus folgende Formel ableiten:

(Jahresverbrauch Auto + Jahresverbrauch Haushalt) kWh / 1000 + 1, aufrunden auf die nächste ganze Zahl = kWp der PV-Anlage

Einfache Formel, um die Leistung der PV-Anlage zu berechnen, die Haushalt und E-Auto versorgen kann.

Beispielrechnung: Du fährst im Jahr 15’000 km, wofür dein E-Auto 2700 kWh verbraucht. Auf der Stromrechnung vom letzten Jahr findest du für deinen Haushalt die Summe von 4000 kWh. Diese beiden Werte summieren sich auf 6700 kWh. Das teilen wir durch 1000, ergibt 6,7. Das erhöhen wir um 1 auf 7,7 und runden auf die nächste ganze Zahl auf: 8. Somit würde eine PV-Anlage mit 8 kW Spitzenleistung (kWp) deinen Bedarf decken.

Die Quadratmeter-Richtwerte im erwähnten Merkblatt sind grosszügig, mit modernen Panels geht es auch einiges kleiner. So dürfte die im Beispiel benötigte Anlage mit 8 kWp mit 40 m2 Panelfläche realisierbar sein.

Zukünftigen Verbrauch einrechnen

Wenn du demnächst die Heizung auf eine Wärmepumpe umstellst, dann solltest du die Anlage entsprechend grösser bauen, so dass auch der zusätzliche Stromverbrauch der Wärmepumpe berücksichtigt ist.

Was bringen Solarzellen auf dem Auto?

Verschiedene E-Auto-Hersteller rüsten ihre Fahrzeuge mit Solarzellen auf dem Dach oder gar der ganzen Karosserie aus. Ist das sinnvoll? In der Regel versprechen diese Firmen eine verlängerte Reichweite und dass man weniger häufig an die Ladestation muss. Wie viel Strom sich tatsächlich während der Fahrt oder auf einem Aussenparkplatz gewinnen lässt, hängt natürlich auch hier vom Wetter und von der Jahreszeit ab. Das Solarauto-Start-up Sono Motors beispielsweise erwartet 16 (Durchschnitt) bis maximal 35 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Tag.

Wer in einer Tiefgarage parkt, hat während dieser Zeit einen garantierten Ertrag von null Kilowattstunden.