Navigieren auf enex.me

Podcast: Sechs Fragen rund ums E-Auto

Zu E-Autos gibt es viele Fragen. Dieser Podcast beantwortet sechs häufig gestellte Fragen aus dem Publikum. Es ist eine spannende Mischung mit Themen, die selten ernsthaft besprochen werden.

Energie-Experten Talk E-Auto-Fragen

Dieser Talk wurde in Text umgesetzt und dabei für bessere Lesbarkeit und Verständlichkeit bearbeitet und mit Links ergänzt. Wer lieber liest als hört oder Schweizerdeutsch nicht gut versteht, kann hier nachlesen, was besprochen wurde.

Direkt zu den Fragen:

  1. Wann ist aus Klimasicht der richtige Zeitpunkt für den Wechsel auf ein E-Auto?
  2. Wie viel graue Energie steckt in Benzin und Diesel?
  3. Wie weit könnte ein E-Auto mit dieser grauen Energie fahren?
  4. Woher kommt das Lithium für die Batterien?
  5. Wie ist es mit Kobalt in Batterien und Kinderarbeit?
  6. Wie gross muss die Photovoltaikanlage sein, um ein Auto mit Solarstrom zu laden?

Einleitung mit Rückblick

Carla: Ein gutes Neues allerseits! – Zum Start ins neue Jahr, Thomas: Was sagst du zum letztjährigen Autojahr?

Thomas: Es gibt Erfreuliches. Zum Beispiel sind immer mehr kleine und günstigere E-Autos erhältlich. Nicht so erfreulich: Es werden immer noch zu viele Hybridautos verkauft – und generell zu grosse und zu schwere Autos.

C.: Wir machen etwas Neues in diesem neuen Jahr: Zum ersten Mal eine Frage-Episode.

T.: Rund ums Auto gibt es viele Fragen. Heute beantworten wir eine spannende Mischung mit Fragen, die immer wieder auftauchen, und solchen, die selten ernsthaft gestellt und beantwortet werden.

C: Die Fragen drehen sich um den Schwerpunkt Auto. Wir haben sie per Mail erhalten an podcast@enex.me – hier könnt ihr uns jederzeit schreiben. Du hast die Fragen gesammelt und ich habe sie auf Zetteln in eine Schüssel getan. Ich ziehe jetzt die erste Frage.

Sechs Auto-Fragen aus dem Publikum

Frage 1: Wann ist aus Klimasicht der richtige Zeitpunkt für den Wechsel auf ein E-Auto?

Für die Schweiz gibt es dazu eine Studie, die das Bundesamt für Energie zuerst gar nicht veröffentlichen wollte. Aus Sicht des Klimaschutzes ist der Fall aber klar: Der richtige Zeitpunkt wäre fast immer sofort – und das bisherige Auto entsorgen.

Also: Das Auto entsorgen, und das Bundesamt für Energie wollte eine Studie zurückhalten? Wieso?

Vielleicht genau wegen diesem Ergebnis. Es klingt ja provokant. Wer will schon ein gut funktionierendes Auto verschrotten? Wahrscheinlich niemand. Darum muss man das gut erklären. Ich habe es so verstanden, dass das Bundesamt befürchtete, dass die Medien das nicht so gut machen würden.

Wenn man nicht nur das Klima anschaut, sondern die gesamten Umweltauswirkungen, ist die Situation auch gar nicht so klar. Das wurde in der Studie nicht untersucht, das steht so auch deutlich drin. Mein Fazit: Wer weniger als 5000 Kilometer pro Jahr fährt, muss nichts ändern. Alle anderen sollten den Umstieg zumindest planen.

Link-Tipp: Republik – Amtliche Selbstzensur

Frage 2: Wie viel graue Energie steckt in Benzin und Diesel?

Graue Energie ist die Energie, die für Herstellung, Transport und Bereitstellung an der Tankstelle benötigt wird, aber beim Verbrauch nicht angegeben wird.

Auch dazu gibt es quasi offizielle Schweizer Zahlen. Für 1 Liter Diesel braucht es etwa 3 kWh Energie, für einen Liter Benzin etwa 3,5 kWh. Ein Liter Benzin enthält rund 9 kWh Energie, ein Liter Diesel etwa 10 kWh. Das bedeutet: Zur Energie im Kraftstoff kommt ein «Rucksack» von 30 bis fast 40 % grauer Energie noch dazu.

Link-Tipp: Wie viel graue Energie steckt in Diesel und Benzin?

Frage 3: Wie weit könnte ein E-Auto mit dieser grauen Energie fahren?

Diese Frage passt zur vorangehenden.

Im Internet kursieren Zahlen, die behaupten, ein E-Auto könne allein mit der grauen Energie weiter fahren als ein Verbrenner. Das stimmt nicht, die Rechnungen machen einen entscheidenden Fehler: Sie gehen davon aus, dass die gesamte graue Energie als Strom verfügbar wäre.

Gemäss den Zahlen für die Schweiz ist aber nur der kleinste Teil Strom.

Für einen Liter Benzin mit 3,5 kWh grauer Energie braucht es weniger als 0,2 kWh Strom. Der ganze Rest ist fossile Energie. Um diese für ein E-Auto zu nutzen, müsste man sie erst noch in Strom umwandeln. Würde man die graue Energie so nutzen, könnte ein E-Auto etwa halb so weit fahren wie ein Benziner mit der Energie im Benzin (Transportverluste beim Strom nicht berücksichtigt). Würde man die im Benzin enthaltene Energie mit einem Generator in Strom umwandeln, könnte das E-Auto etwa 20 % weiter fahren als der Verbrenner. So effizient ist die E-Auto-Technologie heute.

Link-Tipp: Wie weit fährt ein E-Auto mit der grauen Energie in Diesel und Benzin?

Frage 4: Woher kommt das Lithium für die Batterien?

Die grössten Lithiumvorräte liegen in Südamerika, im Grenzgebiet von Chile, Argentinien und Bolivien. Dort hat es Konflikte gegeben mit Naturschutz und Landwirtschaft wegen den hohem Wasserverbrauch.

Das meiste Lithium kommt aber bisher aus Australien – ohne dass man von dort öffentliche Kritik hören würde. In Australien wird Lithium im Tagebau gefördert, was riesige Löcher in die Landschaft reisst. Auch nicht perfekt.

Gibt es denn Alternativen?

Wir könnten natürlich länger bei Verbrenner-Autos bleiben. Aber: Bei der Erdölförderung gibt es ebenfalls sehr viele grössere und kleinere Katastrophen, die wir selten in den Nachrichten sehen. Im Vergleich dazu wirkt die Förderung von Lithium wie das kleinere Übel.

Zudem: Es gibt auch Lithiumvorräte in Europa, z. B. im Rheingraben in Deutschland, die jetzt erschlossen werden.

Link-Tipp: Woher kommt das Lithium für Batterien?

Frage 5: Wie ist es mit Kobalt in Batterien und Kinderarbeit?

Das ist keine erfreuliche Geschichte. Die Lebensumstände vieler Menschen im Kleinbergbau sind schlecht – nicht nur für Kinder. Ähnliche Probleme wie beim Kobalt gibt es auch beim Gold, von dem noch mehr im Kleinbergbau gewonnen wird. Dazu gibt es eine tolle Podcast-Serie (WDR) und einen Radiobericht (Echo der Zeit). Ähnlich schlecht sind die Arbeitsbedingungen übrigens in der Modebranche oder bei Erntehelfern, zum Teil auch in Europa.

Gold ist nach Öl der meistgehandelte Rohstoff der Welt.

WDR-Podcast «Die Goldspur»

Häufig ist Kinderarbeit die einzige Möglichkeit für Familien, genug Einkommen zu haben, damit Kinder überhaupt in die Schule können. Es stellen sich Fragen: Würde dieses Einkommen wegfallen, würde dann etwas besser? Ist es fair, wenn wir etwas verbieten, oder müssten die betroffenen Staaten diese Probleme lösen?

Eine sehr schwierige Frage.

Und auch hier muss man sagen: Das Bisherige ist überhaupt nicht besser. Wie viele Kinder, wie viele Menschen leiden wegen der Ölförderung, leben an verschmutzten Flüssen oder haben vergiftetes Grundwasser? Wir reden bei Kobalt über ein ernstes Problem, aber es ist weder neu noch einzigartig.

Das meiste Kobalt kommt aus grossen, bewilligten Minen.

Das meiste Kobalt kommt aus grossen, bewilligten Minen, und Batteriehersteller kaufen offiziell nur von dort.

Es gibt aber auch Batterien ohne Kobalt.

Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP). Sie werden immer besser und immer beliebter – bei Photovoltaikanlagen sind sie heute der Standard. Bei Autos sind LFP-Batterien je länger je mehr gefragt. Es spricht nichts dagegen, Autohändler nach Modellen mit LFP-Batterie zu fragen.

Link-Tipp: Wofür wird Kobalt verwendet?

Frage 6: Wie gross muss die Photovoltaikanlage sein, um ein Auto mit Solarstrom zu laden?

Eine Balkonsolaranlage reicht nicht – sie liefert maximal 600 Watt. Eine Ladestation braucht aber mindestens 2000 Watt, darum würde immer der Grossteil aus dem Stromnetz bezogen.

Wer sein Auto mit eigenem Solarstrom laden will, braucht eine leistungsfähige Anlage (8–10 kW für ein Einfamilienhaus), eine eigene Ladestation und eine Steuerung, die das Auto dann lädt, wenn eigener Strom übrig ist. In unserem Beitrag hier gibt es eine Formel, mit der Interessierte eine eigene Rechnung für die Grösse der Photovoltaikanlage machen können.

Ganz ohne Netzstrom wird es aber kaum gehen.

Gerade im Winter wird es Tage geben, an denen der Sonnenstrom nicht reicht, um das Auto zu laden. Darum schaut man auf die Jahresbilanz, nicht auf jeden einzelnen Ladevorgang.

Fazit

Viele Menschen machen sich ernsthafte Gedanken. Das wird oft zu wenig gewürdigt. Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Klimaschutz, sondern auch, dass es den Menschen gut geht und möglichst wenig Natur zerstört wird.

Darum ist es wichtig, Wissen zu teilen und Themen fair zu vergleichen. Wir hoffen, dass diese Episode dazu beiträgt. Daran anschliessend eine Bitte: Empfehlt den Podcast weiter. Jeden Donnerstag gibt es eine neue Episode von «Energie-Experten».

Feedback nehmen wir gerne entgegen: podcast@enex.me.

Bitte E-Mail-Adresse korrigieren.
  • Hinder Wendelin

    Vor 2 Wochen

    Ich liebe den Newsletter von EKZ. Trotzdem eine Kritik: Die Antwort auf Frage 3 habe ich nur dank dem Text betreffend weiterführendem Link verstanden. Zudem: Ich meine auch die Stromproduktion beinhalte graue Energie: Leitungsnetz, Anlagen PV, Kernenergie und Wasserkraft.
    Auf Fragen betreffend Vergleich Fossil und Elektro ist mir am Wichtigsten, dass auf die Effizienz von Elektrofahrzeugen hingewiesen wird. Beim Elektroauto kommen 75 der Energie auf die Räder, während beim Verbrenner 75% der Energie als Wärme verloren geht. Pro 100 km benötigt der Verbrenner eine Energiemenge rund 60 kWh, während das Elektroauto mit ungefähr 18 kWh auskommt.

    Bitte E-Mail-Adresse korrigieren.
    Abbrechen
    • Thomas Elmiger
      Thomas Elmiger

      Thomas Elmiger

      Vor 2 Wochen

      Vielen Dank für den Hinweis auf die überlegene Effizienz des E-Antriebs. Wir haben das in einem anderen Beitrag in einer Infografik dargestellt: 10 kWh Diesel (1 Liter) reichen im Verbrenner für 17 km, während das sparsame E-Auto mit nur 4 kWh Strom 25 km weit kommt.
      Die Frage 3 bezieht sich nur auf die graue Energie in Diesel und Benzin. Wir vergleichen hier nicht Verbrenner und E-Auto, sondern klären die Frage, wie weit ein E-Auto mit der grauen Energie eines Verbrenners fahren könnte, wenn man diese in Strom umwandeln würde. Es ist aber natürlich korrekt, dass sonst auch im Strom graue Energie enthalten ist. Aber das spielt hier keine Rolle, denn in diesem rein theoretischen Beispiel ist ja genau angegeben, was in Strom umgewandelt wird: 6 × 3,327 kWh fossile Energie.
      Das Kompliment für den Newsletter habe ich gerne weitergeleitet.