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Wie viel graue Energie steckt in Diesel und Benzin?

Wie viel Energie wird verbraucht, um aus Erdöl einen Liter Benzin oder Diesel herzustellen? Von der Förderung über Transporte, die Raffinerie bis zur Tankstelle kommt einiges zusammen.

Blitz und Ölfass

Die Beratungsfirma treeze hat diese Frage für die Schweiz untersucht und dabei die Rolle des Stroms genauer betrachtet. Das auf Ökobilanzen spezialisierte Unternehmen tat dies im Auftrag des Bundesamts für Energie BFE. Das BFE benötigt solche Daten auch, um die Energieetikette für Personenwagen aktuell zu halten.

Zahlen für die Schweiz

Im Internet findet man verschiedene Behauptungen und Berechnungen dazu, wie viel Strom verbraucht wird, um einen Liter Diesel oder Benzin zu produzieren. Allerdings: Strom macht bei der Herstellung von Treibstoffen nur einen kleinen Teil der grauen Energie aus. Zusätzlich wird noch deutlich mehr Energie aus fossilen Quellen verwendet.

Stromverbrauch für die Herstellung von Benzin und Diesel

Bis ein Liter Benzin in den Tank geflossen ist, werden 0,175 Kilowattstunden (kWh) Strom verbraucht. Beim Diesel ist es etwas weniger: knapp 0,12 kWh aus dem Stromnetz sind hier gefragt. Der Strombedarf ist bei Benzin höher, weil die Verarbeitung in der Raffinerie aufwendiger ist.

Beim Diesel verbraucht die Tankstelle rund ein Drittel des Stroms, die Raffinerie ein Viertel, Förderung und Ferntransport je etwa einen Fünftel und die Feinverteilung 3 %. Beim Benzin benötigt die Raffinerie mehr als 40 % des Stroms, die Tankstelle rund ein Viertel, Förderung und Ferntransport je rund ein Sechstel und die Feinverteilung knapp 3 %.
Strombedarf für die Bereitstellung von einem Liter Diesel oder Benzin, aufgeteilt in die fünf Schritte der Lieferkette. (Grafik: BFE-Kurzstudie)

Gesamter Energieverbrauch für einen Liter Diesel oder Benzin

Strom ist nicht alles. Um einen Liter Diesel in den Autotank zu bringen, müssen total rund 3 kWh Energie eingesetzt werden. Für Benzin ist etwas mehr Energie nötig: 3,5 kWh.

Tabelle zum Energieaufwand

Treibstoff Energiebedarf Strom Energiebedarf Rest Energiebedarf total Energiegehalt
Benzin (1 Liter) 0,173 kWh ca. 3,33 kWh 3,5 kWh 9 kWh
Diesel (1 Liter) 0,118 kWh ca. 2,88 kWh 3,0 kWh 10 kWh
Energieaufwand für die Bereitstellung an einer Schweizer Tankstelle (Datenquelle: Energeia plus/BFE)

Die Frage «Wie weit fährt ein E-Auto mit der in Diesel und Benzin enthaltenen Energie?» klären wir im separaten kurzen Beitrag hier.

Was die Analyse «well to tank» abdeckt

Die Berechnungen decken die ganze Lieferkette von Benzin und Diesel ab. Das betrachtete System wird «well to tank» genannt, Englisch für «vom Bohrloch bis in den Tank». Für Benzin und Diesel umfasst es diese fünf Schritte:

  1. Ölförderung
  2. Transport via Pipelines oder per Schiff, Zug und Lastwagen
  3. Raffiniere
  4. Transport zur Tankstelle
  5. Betanken des Fahrzeugs

Nicht enthalten ist der Energiegehalt des Treibstoffs selbst, gemäss der Tabelle oben also pro Liter rund 9 kWh beim Benzin und 10 kWh beim Diesel.

Ebenfalls nicht enthalten ist die Energie, die in der Zukunft aufgewendet werden muss, um das Treibhausgas CO2, das beim Verbrennen von Benzin und Diesel entsteht, wieder aus der Atmosphäre zu entfernen.

Fazit: Die Herstellung von Benzin braucht viel Energie

In jedem Liter Benzin, der getankt wird, verstecken sich noch umgerechnet 3,5 Deziliter zusätzlich, die für die Herstellung aufgewendet worden sind.

Beim Diesel ist es minimal weniger, allerdings haben Dieselmotoren andere Nachteile und werden in der Schweiz immer weniger gekauft.

Und: Es wird nicht besser. Irgendwann werden die einfach erschliessbaren Ölfelder erschöpft sein. Schon heute gibt es je nach Herkunft grosse Unterschiede. Unter erschwerten Bedingungen wird folgende Energiemenge benötigt, um einen Liter Öl an die Tankstelle zu bringen:

  • aus Teersanden: Energie aus 3 Litern Öl
  • aus Fracking: Energie aus 2 Litern Öl

Damit wird auch die CO2-Bilanz von Autos mit Verbrennungsmotor tendenziell schlechter, während sie bei E-Autos dank immer mehr erneuerbarem Strom laufend besser wird.

Diese letzten Zahlen haben wir dem folgenden Vortrag von Maximilian Fichtner entnommen, Chemiker und Direktor am Helmholtz-Institut Ulm (HIU) für Elektrochemische Energiespeicherung.