Sind E-Autos lokal emissionsfrei?

Oft wird behauptet, E-Autos seien emissionsfrei unterwegs, weil sie keinen Treibstoff verbrennen. Das ist falsch, denn auch Elektrofahrzeuge erzeugen Schadstoffe, die sich im Körper von Mensch und Tier ansammeln.

E-Autos fahren abgasfrei und stossen im Betrieb auch kein CO2 aus. So weit so gut. Darf man sie deshalb als «emissionsfrei» oder zumindest «lokal emissionsfrei» bezeichnen? Warum das nicht zutrifft, erfährst du im Video-Ausschnitt oben in nur gerade zwei Minuten und etwas ausführlicher hier im Text. Der Kriminalbiologe Mark Benecke besucht im Film ein Labor der Universität Wien und spricht dort mit Chemikerinnen, die sich mit Mikroplastik beschäftigen.

Mikroplastik von den Autoreifen

Das Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft der Wiener Universität hat auch untersucht, wie der feine Plastikstaub von den Autopneus in Nutzpflanzen wie Salat gelangt. Die Forschenden schreiben: «Autofahren erzeugt Reifenabrieb, der mit dem Wind in die Umwelt geweht und vom Regen in Flüsse und Abwässer geschwemmt wird – insgesamt etwa 1 kg pro Einwohner*in und Jahr.»

E-Autos sind in der Regel schwerer als ähnliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, beim Beschleunigen hängen sie diese trotzdem locker ab. Beides, das Gewicht und der «sportliche» Antritt, erhöht aber auch den Reifenverschleiss.

Feinstaub von den Bremsen

Beim Bremsen verursachen Elektro- und Hybridautos weniger Feinstaub als Verbrenner, weil sie über dem Motor rekuperieren können. Das schont Bremsscheiben und Bremsbeläge, die vor allem bei starkem Bremsen mithelfen und Bewegungsenergie durch Reibung absorbieren müssen.

Schweizer Wissenschaftler fordern Verbesserungen

Luftverschmutzung durch Feinstaub verursacht weltweit jedes Jahr schätzungsweise 7 Millionen Todesfälle. Die Weltgesundheitsorganistation WHO fordert, dass die Gesamtmenge der Aerosole mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer nicht mehr als 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft beträgt. Forschenden des Paul Scherrer Instituts PSI zufolge wird dieser Wert aber fast überall überschritten, oft um mehr als das Doppelte. Zur Verbesserung der Luftqualität sollten nicht nur Holzheizungen, sondern auch Emissionen wie Reifen- und Bremsenabrieb stärker beachtet werden, sagen Wissenschaftler des PSI.

 

Reifen und Bremsanlage an einem Polestar 2
Polestar hat sich vorgenommen, bis 2030 ein «klimaneutrales» Auto zu bauen – Feinstaub von Reifen und Bremsen wird bis dann aber kaum ganz verschwinden. (Foto: Polestar)

Kleine E-Autos und schmale Reifen wären besser

Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von 2020 zu Emissionen, die nicht am Auspuff entstehen, hat interessante Ergebnisse gebracht. Leichte Elektrofahrzeuge mit geringer Reichweite (damals 160 km) erzeugen bis zu 13 % weniger Feinstaub der Grösse PM 2,5 als vergleichbare Verbrenner. Grössere E-Autos mit schweren Batterien und höherer Reichweite (500 km) erzeugen 3 bis 8 % mehr Feinstaub als vergleichbare Verbrenner.

Entscheidend sind aber letztlich die übrigen Schadstoffe der Verbrenner. Diese machen für sich allein beim Feinstaub nicht viel aus, aber zusammen mit anderen Bestandteilen der Luft entsteht zusätzlicher Feinstaub. Eine OECD-Studie hat ergeben, dass unter berücksichtigung dieser «sekundären» Partikel, batterieelektrische PW und SUV weniger Partikel der Grössen PM2.5 und PM10 erzeugen als Fahrzeuge mit Diesel- und Benzinmotoren. Der Wechsel von einem Verbrenner auf ein E-Auto bringt der Studie zufolge eine Reduktion um 6 bis 42%. Wer einen Diesel ersetzt, erspart der Umwelt mehr Emissionen.

Vorausschauend fahren und und Reifendruck beachten

Wer Auto fahren muss, kann mit möglichst schmalen Reifen, dem richtigen Reifendruck und einer vorausschauenden Fahrweise den Abrieb verringern. Wer nicht zwingend darauf angewiesen ist, sollte weniger Auto fahren, wie das auch die Chemikerin der Uni Wien im Filmausschnitt vorschlägt. Bis allenfalls Alternativen in Form von biologisch abbaubaren Pneus erhältlich sein werden, wird noch viel Wasser den Rhein und die Donau hinab fliessen.

 

Aktualisierungshinweis: Der Beitrag wurde am 13.2.2023 erstmals veröffentlicht, die Ergebnisse der OECD-Studie wurden am 26.5.2025 überarbeitet.